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Jüngste Einträge in unserer Rubrik „Aktuelles”


19. März 2019Vermisste finden zurück!
02. November 2018Notenausgabe aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der DCS

Willkommen bei der DCS!

Deutsche Clavichord Societät e.V.

Einige Hintergrundinformationen zu unserer Website.
Some short English notes for foreign visitors of our website.

25 Jahre

Aktuelle Nachrichten
für Mitglieder und Clavichordfreunde

Liebe Clavichordfreunde,

wie angekündigt fanden in Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität vom 2. bis zum 4. November 2018 die 44. Clavichordtage in Göttingen statt, wo sich der nominelle Sitz der Deutschen Clavichord Societät befindet und neben Friedrich Wilhelm Marpurgs (1718–1795) rundem Geburtstag des Todestags von Johann Nikolaus Forkel (1749–1818) zu gedenken war. Aus dem Coburgischen stammend, hatte dieser 1769 an der Georgia Augusta ein Jurastudium begonnen; 1770 übernahm er das Amt des Universitätsorganisten, und 1779 wurde er mit den Aufgaben eines Universitätsmusikdirektors betraut, insbesondere verantwortlich für die wöchentlichen „Winter-Concerte“, die er bis 1815 leitet. Privat hält er Vorlesungen, so über die „Theorie und Geschichte der Musik“; in zahlreichen Veröffentlichungen meldet er sich zu Wort. 1787 ehrt man ihn mit dem Grad eines Doctor honoris causa, für eine eigentliche Professur ist die Zeit jedoch noch nicht reif. Und als es zwei Jahre später darum geht, die Nachfolge Carl Philipp Emanuel Bachs in Hamburg anzutreten, wird ihm ein anderer vorgezogen.


Forkel Wohnhaus

Damit endgültig in Göttingen verblieben, wo er 1783 Haus Nr. 919 (heute: Goethe-Allee 9) erworben hat, erscheint 1788 der erste, 1801 der zweite einer auf drei Bände angelegten „Allgemeinen Geschichte der Musik“; an die Stelle des ursprünglich geplanten dritten Teils tritt dann 1802 sein Buch „Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke“ mit dem Zusatz „Für patriotische Verehrer echter musikalischer Kunst“.

Darin berichtet Forkel, der sowohl mit Wilhelm Friedemann als auch mit Carl Philipp Emanuael Bach in Verbindung stand:

„Am liebsten spielte er auf dem Clavichord. Die sogenannten Flügel, obgleich auch auf ihnen ein gar verschiedener Vortrag statt findet, waren ihm doch zu seelenlos, und die Pianoforte waren bey seinem Leben noch zu sehr in ihrer ersten Entstehung, und noch viel zu plump, als daß sie ihm hätten Genüge thun können. Er hielt daher das Clavichord für das beste Instrument zum Studiren, so wie überhaupt zur musikalischen Privatunterhaltung. Er fand es zum Vortrag seiner feinsten Gedanken am bequemsten, und glaubte nicht, daß auf irgend einem Flügel oder Pianoforte eine solche Mannigfaltigkeit in den Schattirungen des Tons hervor gebracht werden könne, als auf diesem zwar Ton-armen, aber im Kleinen außerordentlich biegsamen Instrument.“

Ob wirklich zutreffend oder nicht (da durch die Brille des Nachgeborenen gesehen, unterworfen womöglich Einflüssen wie Sturm und Drang, Empfindsamkeit und Aufklärung) – eine bemerkenswerte Aussage!

Kraemer 1803

Bemerkenswert aber auch, dass von 1793 an in unmittelbarer Nachbarschaft Forkels unter der Nr. 917 (heute Goethe-Allee 11) die Familie Johann Paul Krämers und seiner Söhne zu finden war, mit der er engen Umgang pflegte und von der wir an den genannten Tagen dankenswerterweise zwei originale Clavichorde zur Verfügung hatten!

Kraemer undatiert

Friedrich Wilhelm Marpurg verdiente unsere Beachtung insofern, als sein „Versuch figurierter Choräle sowohl für die Orgel, als für das Clavichord“, undatiert gegen Ende des 18.Jahrhunderts in Amsterdam und Berlin im Druck erschienen, in einem „Nachbericht“ Anweisungen enthält, wie auch jene Sätze, die pedaliter auf drei Systemen notiert sind, rein manualiter ausgeführt werden können. Dem ersten folgte gleichen Ortes ein „Zweyter Versuch …“, der neben Chorälen auch ein Capriccio sowie sieben Fugen enthält. Ergänzend angemerkt sei, dass Marpurgs „Abhandlung von der Fuge“, die 1753/54 in zwei Bänden in Berlin erschien, als erste zusammenfassende Darstellung dieses Gegenstandes gilt; unmittelbar zuvor, 1752, hatte er die 2. Auflage von Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ mit einem aufschlußreichen „Vorbericht“ versehen.

Im Sinne einer Jubiläumsedition aus Anlass des 25jährigen Bestehens der D.C.S. von Martin Lubenow im Verlag „Mvsiche Varie“ (www.musichevarie.de) herausgegeben, stehen ab sofort beide „Versuche“ Marpurgs in moderner Notation zur Verfügung. Auf der Grundlage von Originalen in der Bayrischen Staatsbibliothek in München und im Institut für Musikwissenschaft der Universität des Saarlandes in Saarbrücken erarbeitet, beinhaltet die Ausgabe alle 21 Choräle des ersten sowie die (7) Choräle, die (7) Fugen und das Capriccio des zweiten Teils der Marpurgschen „Versuche“; den 1:1-Übertragungen als Anhang beigefügt sind, soweit erforderlich, die zugehörigen manualiter-Fassungen. Beide Bände können über den Notenhandel oder direkt beim Verlag erworben werden (Link siehe oben); Mitgliedern der Deutschen Clavichord Societät und ihrer Schwestergesellschaften stehen sie, solange das Kontingent reicht, zu einem Sonderpreis zur Verfügung (mehr dazu auf unserer Seite Aktuelles). Die Titelseiten der Vorlagen und das Cover von Band I und II sehen aus wie folgt:

Marpurg_Original_1 Marpurg_Original_2 Marpurg_Band_1 Marpurg_Band_2

Lassen Sie uns damit das Jahr 2019 beginnen, und erwarten wir mit Spannung die Clavichordtage, die bereits fest eingeplant sind – sie werden vom 27. bis zum 29. September in Stade stattfinden, wohin uns mit Blick auf Arp Schnitger (1648-1719) und seine Zeit unser Mitglied Prof. Martin Böcker eingeladen hat!

Guido Sold (1. Vorsitzender)

Wesel, 9. Januar 2019



Foto am Seitenkopf: 25 Jahre – ein Jubiläum nicht nur der DCS, sondern auch eines Optikermeisters in der Roten Straße, wenige Schritte vom Holbornschen Haus entfernt. Das Foto darunter zeigt rot das Wohnhaus von Johann Nikolaus Forkel, Goethe-Allee 9, die Aufnahmen darunter stammen von den beiden Krämerschen Clavichorden. © Mechthild von Schlichting-Sold. Zuunterst: die Marpurgsche Jubiläumsausgabe, erschienen im Verlag Mvsiche Varie, Germersheim.

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