Vorschau

40. Clavichordtage der Deutschen Clavichord Societät
vom 14.–17. Mai 2015 im Heinrich-Schütz-Haus, Bad Köstritz

Clavichordtage Bad Köstritz 2015 Vorschau

Clavichordtage anlässlich der Rekonstruktion
eines Pedal-Clavichords der Schütz-Zeit

Veranstaltungsort

Heinrich-Schütz-Haus
Heinrich-Schütz-Strasse 1
07586 Bad Köstritz

Zum Thema der Clavichordtage

Die Idee, ein spielbares Instrumentarium der Schütz-Zeit für Konzerte, Kurse für Alte Musik oder zur Vorführung bei Musikalischen Führungen im Hause zu haben, ist ein ureigenstes Anliegen des Heinrich-Schütz-Hauses Bad Köstritz. In den letzten Jahren konnten dank der Hilfe des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Schütz-Akademie e.V., zahlreicher privater und öffentlicher Sponsoren sowie mit Mitteln aus dem laufenden Haushalt des Museums Nachbauten einet Gerle-Laute, ein Chitarrone, eine Erzlaute, eine Barock-Gitarre, eine ganze Blockflöten-Familie vom Garkleinflötlein bis zum Subbass und viele andere Instrumente für unser Haus angekauft werden. Gerade ist die Zusage des Ministeriums eingegangen, in diesem Jahr ein ganz besonderes Projekt zu unterstützen: Die Rekonstruktion eines Pedal-Clavichords, wie es zur Zeit von Heinrich Schütz ausgesehen haben könnte.

Michael Praetorius hat 1619 im 2. Band seines Syntagma Musicum ein Clavichord abgebildet und beschrieben, von dem wir annehmen müssen, dass es zum Bestand des kurfürstlichen Hofes in Dresden gehörte. Praetorius zufolge stammte ein Instrument wie dieses aus Italien. Vergleicht man dieses Clavichord nun mit dem ersten im Leipziger Musikinstrumentenmuseum inventarisierten Clavichord, so stellt man fest, dass es sich um solch ein Instrument handelt – ob genau um dieses, wissen wir nicht. Demzufolge: Leipzig Nr. I, Pisaurensis 1543, wird das Vorbild für die Rekonstruktion unseres Pedal-Clavichords. Auf einem Instrument aus dieser Werkstatt könnte Schütz schon in Venedig gespielt haben. Mit Andreas Hermert konnten wir einen Spezialisten für den Nachbau von Tasteninstrumenten gewinnen. Die noch erhaltenen Pedal-Clavichorde stammen aus der zweiten Hälfte des 18. oder aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, deshalb kann ein Instrument der Schütz-Zeit nur eine Rekonstruktion nach den wenigen schriftlichen und bildlichen Quellen des späten 15. bis 17. Jahrhunderts sein.

Pedalklaviaturen an Clavichorden und Dreichörigkeit erwähnt Sebastian Virdung 1511; die Darstellung eines Pedal-Clavichordes ist aus der Zeit um 1460–70 erhalten. Das Instrument am rechten Rand des Basler Musikbildes „Castalischer Brunnen“ von ca. 1540 müssen wir als Pedal-Clavichord interpretieren: Der rechts unterhalb des Manual-Clavichordes hervorragende Kasten scheint das Pedalgehäuse zu sein. Darunter, im geschlossenen Unterbau, befindet sich die Traktur. Die Pedalklaviatur ist leider durch die Bank und den davor sitzenden Musiker verdeckt. Vom Ende des 17. Jahrhunderts gibt es eine detaillierte Konstruktionsbeschreibung eines Manual- und Pedal-Clavichordes von Claas Douwes (Niederlande), beide Instrumente sind dreichörig besaitet. Jetzt haben Volker Platte und Andreas Hermen mit dem Bau begonnen, und auf das Ergebnis sind wir sehr gespannt …

Friederike Böcher



Details zu Programm und Künstlern werden Anfang 2015 an dieser Stelle veröffentlicht.

Weitere Informationen zum Heinrich-Schütz-Haus finden Sie auf der Website des Veranstaltungsortes www.heinrich-schuetz-haus.de.

Bild am Seitenkopf: Heinrich-Schütz-Haus. © Thomas Pfeiffer.

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