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29. Clavichordtage der DCS in Hamburg




2. Tag Samstag 12. April, 2008, Bericht von Dieter Ott





1. Begrüßung in der Villa Beurmann

Eines der Highlights der Clavichordtage bildete bereits der Tagungsort. Dank der Großzügigkeit von Herrn Professor Beurmann konnten die verschiedenen Veranstaltungen am Samstag (und am Sonntag) in seiner wundervollen Villa stattfinden. Ich glaube, dass alle Teilnehmer dieses Privileg dankbar genossen haben. Einen schöneren Rahmen für die intime Clavichordmusik und das Rahmenprogramm kann es wohl kaum geben.

begruessung

Foto: Volker-Ekkehard Krüger



2. Interpretationskurs Paul Simmonds

Der Vormittag war im Wesentlichen dem Interpretationskurs von Paul Simmonds gewidmet. Die Beispiele der acht aktiven Teilnehmer reichten vom Mittelalter bis zur Klassik (u .a. Tunder, J.S.Bach, C.P.E.Bach, Hasse, Joseph Haydn). Es wurden zahlreiche Hinweise für eine authentische Wiedergabe der Werke gegeben.. Nicht nur die aktiven Teilnehmer sondern auch die zahlreichen passiven Zuhörer waren voller Interesse dabei und konnten sicherlich viele Anregungen mit nach Hause nehmen. Trotz einer Terminüberschreitung von einer Stunde reichte die Zeit nicht aus für die vielen Anregungen die Paul Simmonds geben kann.

3. Vortrag von Prof. Dr. Andreas Beurmann

Mein Leben mit besaiteten Tasteninstrumenten

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Hauses erklangen im Rahmen einer Clavichordtagung völlig neue Töne: Gottfried Böttger spielte eine eigene Jazzfantasie auf einen Flügel über die Noten A(ndreas)B( eurmann). Ursprünglich war die Komposition ein Geburtstagsgeschenk von Gottfried Böttger an seinen Freund Andreas Beurmann. Das kleine Konzert wurde mit viel Beifall honoriert. (Auch Clavichordliebhaber schätzen gute Musik am modernen Flügel!).
Im anschließenden Vortrag schilderte Andreas Beurmann zunächst anschaulich seinen Werdegang. Bereits im Mutterleib wurde er mit Musik konfrontiert: die Mutter war Sängerin und auch der Vater war der Musik verbunden. Folgerichtig folgte in jungen Jahren Klavierunterricht. Später ein Studium der Musik aber auch der Ingenieurwissenschaft. Nach einer ersten Tätigkeit als Tonmeister gründete er eine erfolgreiche Schallplattenfirma. Seine Frau Heikedine Körting wurde durch zahlreiche Hörspiel- und Kinderserien bekannt.
Bereits auf der Flucht aus dem Osten in den Wirren nach dem zweiten Weltkrieg hatte er zwei Wunschträume: a) auf einem Schloss zu leben.
b) mit historischen Tasteninstrumenten zu leben.
Beide Träume gingen in Erfüllung: Er konnte Schloss Hasselburg erwerben und (zusammen mit seiner Frau) restaurieren. Und er erwarb mit leidenschaftlicher Sammeltätigkeit zahlreiche wertvolle Tasteninstrumente.
Seine Sammeltätigkeit führte ihn durch ganz Europa mit einigen kuriosen Erlebnissen. Einmal erwarb er in Italien ein Cembalo mit einer Dachreparatur als Gegenleistung. Anschaulich zeigte er die Preisentwicklung der historischen Instrumente in den letzten 50 Jahren am Beispiel eines italienischen Cembalos. Andreas Beurmann konnte es 1950 für 3000 DM erwerben. Der heutige Wert beträgt 300000 Euro. In einem spanischen Trödelladen konnte er eine seltene Orphica für 150 DM erwerben.
Auf Versteigerungen können die Gebote für ein Instrument schon mal die Millionengrenze übersteigen. Der Wert einer Sammlung historischer Tasteninstrumente liegt unter anderem in der Dokumentation der Musikentwicklung und der Demonstration der Vielfalt der Tonerzeugung.
Schließlich muss auch die künstlerische Gestaltung der Gehäuse berücksichtig werden. Zum Beispiel wurden auf den Deckeln oftmals wertvolle Gemälde angebracht, die manchmal ein Eigenleben entwickelten und die einzigen Überreste eines alten Instrumentes sind.
Professor Beurmann steht auch zu der Verpflichtung zur Erhaltung des wertvollen Kulturerbes. Aus diesem Grund vermachte er einen Großteil seiner Sammlung dem Museum für Kunst und Gewerbe. Die Instrumente fanden in einem Neubau des Museums einen würdigen Platz.
Am Schluss des Vortrags gab es eine „Zugabe“.
Prof. Beurmann führte einen von ihm und Alexander Körting entwickelten Sampler vor. In wirklich guter Qualität konnte man verschiedene Instrumente (Cembali, Flügel) hören.


Gottfried Böttger improvisiert auch am Clavichord

Foto: Hartmut Schlums