Freitag, den 11. April 2008 (Fotos von Dorothea Demel)
Museum für Kunst und Gewerbe
Prof. Beurmann am Cembalo
Clavichord von Dietrich Christopher Hass, Hamburg 1796
Museum für Kunst und Gewerbe, Spiegelsaal
Jos van Immerseel und das Clavichord von Joseph Gottfried Horn (Nickern bei Dresden 1788)
Jos van Immerseel
In der Konzertpause
1. Tag Freitag, 11. April, 2008, Bericht von Dr. Jürgen Samtleben
Die 29. Clavichordtage in Hamburg begannen im Museum für Kunst und Gewerbe mit einer Führung durch die Beurmann-Sammlung, die einen großen Teil der von Andreas Beurmann gesammelten historischen Instrumente umfasst. Die Führung durch die Sammlung übernahm Prof. Beurmann selbst, der uns einige Highlights der Sammlung vorstellte und sie auch selbst zum Klingen brachte. Er begann mit einem anonymen Cembalo aus Venedig von 1540, das zu den zehn ältesten erhaltenen Cembali gehört und die Zeitläufte in einem Kloster unverändert überdauert hat. Ebenfalls aus Venedig stammen ein Virginal von Dominicus Venetus (1562) und ein Spinett von Domenico Cesare Borsari del Buonpetri (1638 bzw. 1643), das als zweitältestes Spinett der Welt erhalten ist. Ein besonderes Glanzstück der Ausstellung ist ein Pariser Cembalo von Pascal Taskin von 1787, das dieser selbst als Werk des Antwerpener Instrumentenbauers Andreas Ruckers (d.Ä.) ausgegeben und mit der Jahreszahl 1636 versehen hat, um auf diese Weise einen vielmals höheren Preis zu erzielen (ein Umstand, der umgekehrt dem Sammler beim Erwerb zugute kam, um den Preis zu drücken). Das Instrument weist die modernsten Errungenschaften der damaligen Zeit auf wie Kniehebel für den Registerwechsel sowie das von Taskin erfundene Register "jeu de buffle" mit seiner besonderen Klangfarbe. Die Sammlung verfügt auch über zwei echte Ruckers-Cembali von 1628 und 1635. Den Abschluss bildete ein Londoner Cembalo von Jacob Kirckman (ursprünglich Kirchmann) von 1783, das durch eine besondere Pedalkonstruktion ("machine stop") einen übergangslosen Registerwechsel während des Spiels ermöglicht und sich zudem durch ein nahe am Steg angerissenes und deshalb nasal klingendes Register auszeichnet.
Einen Überblick über die Clavichorde der Hamburger Museen bot uns anschließend Dr. Alexander Pilipczuk in seinem Lichtbildervortrag, zugleich auch über die Genealogie der Clavichordbauer im Hamburg des 18. Jahrhunderts (siehe dazu schon Dorothea Demel im 54. Rundbrief, S. 5 6). Speziell die drei im Besitz des Museums befindlichen Clavichorde von Hieronymus Albrecht Hass (1732), Johann Adolph Hass (1760) und Dietrich Christopher Hass (1796) standen im Mittelpunkt des Vortrags und konnten danach auch in den Räumen des Museums besichtigt werden. Dr. Pilipzuk berichtete insbesondere über die Restaurierung des in unspielbarem Zustand erworbenen und lange Zeit im Magazin verstaubten Hass-Clavichordes von 1732, dessen Elfenbeinbeläge durch Zusammenarbeit mit dem Hamburger Zoll (!) wiederhergestellt werden konnten.
Im festlichen Spiegelsaal des Museums, ehemals Teil des Budge-Palais an der Außenalster (heute Musikhochschule), fand am Abend das erste Konzert der Clavichordtage statt. Jos van Immerseel spielte auf zwei Clavichorden der Beurmann-Sammlung, den Anfang auf einem anonymen deutschen Clavichord um 1730 (gebunden), den größeren Teil des Abends auf einem Instrument des Silbermann-Enkelschülers Joseph Gottfried Horn (Nickern bei Dresden 1788). Hamburger Komponisten waren als Programm vorgegeben, die Wahl des Spielers fiel auf Scheidemann, Böhm und C.Ph.E.Bach. Während Heinrich Scheidemann über 30 Jahre als Nachfolger seines Vaters an der Katharinenkirche in Hamburg wirkte, war Georg Böhm hier nur vorübergehend für einige Jahre ansässig. Von dem ersteren hörten wir ein Praeambulum in d, eine Fantasie in G, die Pavana Lachrymae in d und die wunderbare Galliarda & Variatio in d, von dem zweiten eine Choralbearbeitung über "Wer nur den lieben Gott lässt walten" im geraden Takt und ein unheimlich modern anmutendes Praeludium in g mit anschließender Fuge und Postludium. Nach der Pause kam dann der "Hamburger Bach" zu Gehör: Auf die Sonate A Dur (Wq 55, 4) und das Rondo d-moll (Wq 61, 4) folgte schließlich der "Abschied von meinem Silbermannischen Claviere", worin die besonderen klanglichen Möglichkeiten des Instruments noch einmal voll ausgeschöpft wurden. Eine Pavane von Henry Du Mont als Zugabe beschloss das Konzert.
Viele Mitglieder und Clavichordfreunde trafen sich anschließend noch zum gemeinsamen Abendessen.