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Impressionen von den 28. Clavichordtagen der DCS in Frankfurt am Main:

Fotos von Dorothea Demel


Sonntag, den 22. April 2007



In der Clavichord-Ausstellung

Muße zum Probieren
Clavichord nach Hubert von Dietrich Hein

Reiseclavichord von Christian Fuchs
Foto von Diez Eichler

Seekatz Saal, Matinée


Monika Hessenberg, Rezitation

Evelyn Laib am
Clavichord nach Schiedmayer von Jean Tournay

Bericht von Dr. Walther Häcker

Bei der Matinée von Evelyn Laib, Clavichord, und Monika Hessenberg, Rezitation der Texte über das Clavichord, waren wir, die Tagungsteilnehmer "entre nous." Es waren noch Plätze frei im Gartensaal voller Morgensonne. Eher streng als gütig blickte der frühere Hausherr Johann Caspar Goethe (1710-1782, noch in Barockperücke) als überhöhte Marmorbüste, und schien zu sagen: "Was haben meine Kulturkinder nun wieder vor?" Er dachte wohl auch an die bescheidenen, vermutlich des Unterrichtsgeldes nicht werten, Fortschritte seines Sohnes beim Clavichordunterricht in diesem Hause. Auch dessen Mitteilung in "Dichtung und Wahrheit" über einen "allerliebsten" Klavierlehrer wurde vorgelesen. Schwester Cornelia schien etwas eifriger gewesen zu sein, wie ich vermeine zwischen den Zeilen hören zu dürfen. Leider war eine Büste der Hausfrau, der Mutter Goethe, im ganzen Museum nicht aufzufinden.
Die Matinée-Idee - hymnisch lobende Texte rund um das geliebte Clavichord aus Spätbarock und früher Klassik - wurde kontrastiert von teilweise wenig bekannten Musikstücken von C.P.E. Bach, Christian Gottlob Neefe, Johann Wilhelm Hässler, Sperontes, Ernst Wilhelm Wolf und Caspar Ferdinand Fischer. Zu hören war diese beseelt rezitierte Musik auf einem Clavichord nach Schiedmayer von Jean Tournay, einem klangvollen "Konzert-Clavichord".
Die Texte hatten kenntnisreich ausgewählt unsere vier Vorstandsmitglieder und nun meinen wir zu wissen, wie es auf den Vorstandssitzungen zugeht. Das muss mit Spaß verbunden gewesen sein, als sie sich die Textvorschläge vorlasen. Ist es uns heutigen erlaubt über manches verblüffende Lobeswort, über manchen Reim zu schmunzeln? Beispiele: "Das Clavichord ... der schauerliche Vertraute der Einsamkeit". [Carl Ludwig Junker]
"Wenn ich hier, beym Clavier, manches Stündchen ...". [Sperontes = J. S. Scholze]
"Manche Freuden müssen rein, so wie deine Saiten seyn." [Christian Felix Weisse]
Wie erfrischend und journalistisch frech hingegen reimt Schubart in "An Dudeldum: ..., Zwar sind die Finger brav, Nie fehlt's in der Oktav', Noch in der Quint' und Terz; Nur eines fehlt - das Herz!"
Monika Hessenberg las und rezitierte verständnisvoll, auch mit Freude an den Texten und erzeugte mit ihrem letzen Zitat aus dem Vorwort vom "Musikalischen Blumenbüschlein" [Fischer, 1699] ein gespanntes Atemanhalten: Ohne zu stocken las sie einen einzigen barocken Widmungssatz ohne Punkt und Komma von (nachgezählt!) 243 Worten. Als Zugabe wurde sie belohnt mit neuzeitlicher Clavichordmusik, die sie - überrascht und erfreut - aus ihrer häuslichen Musikkultur sehr wohl kannte.

Für den Nachmittag hatte der Instrumentenbauer Christian Fuchs in seine Werkstatt im historischen Dalberghaus nach Frankfurt-Höchst eingeladen. Dort war insbesondere zu hören ein Cembalo italienischer Bauart mit Darmsaiten (wofür heutzutage wie bei den in Konzerten gespielten Lauten und Harfen stimmhaltiger, feuchtigkeitsunempfindlicher Kunststoff verwendet wird).1) Herrliche Bässe empfehlen dieses "Lautencembalo" besonders für die Generalbassbegleitung. Einblick konnte genommen werden in halbfertige Instrumente (eines davon wurde von der Musikhochschule Bukarest bestellt) und wir besichtigten die astreinen Holzvorräte. Christian Fuchs nahm sich Zeit für jede Frage und so wurden auch die Lebensumstände dieser allein und individuell arbeitenden Kunst-Handwerker sichtbar, die immer neue Einzelstücke fertigen.

Lesermeinungen



Kommentar zu 1) von Alfred Gross, Reutlingen
Das möchte ich so nicht stehen lassen. Wie zahlreiche (die meisten) Kolleginnen und Kollegen spiele ich meine Harfe mit Darmsaiten, weil diese hörbar besser klingen. Auch mein Clavicytherium ist wie die beiden Schwesterinstrumente mit Darm besaitet, das von Matthias Griewisch nachgebaute ebenfalls. Also bitte kein Pauschalverdacht.