Impressionen von den 28. Clavichordtagen der DCS in Frankfurt am Main:
Fotos von Dorothea Demel
Samstag, den 21. April 2007
Die historischen Clavichorde im Goethehaus
Diez Eichler am Clavichord von Baethmann
Clavichord um 1760
Seekatz Saal, 2. Konzert
Menno van Delft spielt Mozart, Clavichord nach Friederici von Dietrich Hein
Bericht von Diez Eichler
Der Samstag der diesjährigen Clavichordtage war (sozusagen als Haupttag der Veranstaltung) dichtgedrängt mit Ereignissen rund um das Clavichord.
Der Auftakt war eine Vorführung und Erläuterung der beiden historischen Clavichorde des Goethehauses, deren Vorhandensein die DCS ja an diesen Ort gelockt hatte. Zwar stand nur eine halbe Stunde zur Verfügung, aber eine große Zahl Interessierter fand sich dazu zunächst im sogenannten "Cornelia-Zimmer" im Goethehaus ein, in dem das Clavichord der Charlotte Kestner, geborene Buff steht. Dieses Instrument, ein fünf-oktaviges, bundfreies Clavichord mit einem dritten Chor im 4' in der Baßoktave wurde 1799 vom Orgelbauer Baethmann in Hannover gebaut, und kam Ende des 19. Jahrhunderts ins Goethehaus. Nicht nur die Tatsache, daß es eben jener "Lotte aus Weimar" gehörte, die aus den "Leiden des jungen Werthers" bekannt sein dürfte, sondern auch die klangliche Qualität beeindruckten wohl alle. Ich hatte zur Vorstellung kleine einfache Sätzchen aus einem handschriftlichen Notenbuch ebenfalls von Charlotte Kestner ausgewählt, da man doch sehr selten die Gelegenheit hat, Musik auf einem Instrument zu spielen, für das (und möglicherweise an dem) die Noten vor rund 200 Jahren geschrieben wurden. Die knarrenden Dielen des Zimmers verlangten vom Auditorium allerdings, daß alle "zu Salzsäulen erstarrten", wie ein Teilnehmer meinte. Das zweite Instrument, welches im "Musikzimmer" steht, gab vor allem Anlaß, seine abenteuerliche und leider nicht mehr lückenlos nachvollziehbare Restaurierungsgeschichte darzulegen. Martin Kather hatte in den Tagen zuvor das kleine schön in Chinoiserie gefaßte Clavichord genauer untersucht, vermessen, gezeichnet und fotografiert. Seine Ergebnisse liegen aber noch nicht fertig vor, da sich mehr neue Fragen auftaten, als sich beantworten ließen.
Das gemeinsame Mittagessen fand im nahegelegenen "Binding am Goethehaus" statt, wo es (durch die Wiener Herkunft des Wirts bedingte) feines Crossover zwischen Frankfurter und Wiener Küche gab, und wo sich viele Gespräche unter den Teilnehmern ergaben.
Einer der wichtigen Punkte der ganzen Veranstaltung war natürlich die Vorführung der ausgestellten Clavichorde, deren Bandbreite zwischen Renaissance (Leipzig II) und Frühklassik (Hubert) sich auch in der spontanen Auswahl von Stücken spiegelte, mit denen man die Klänge vergleichen konnte. Diesmal zeigten Benedikt Claas, Christian Fuchs, Jan Großbach, Dietrich Hein, Martin Kather, Eckehart Merzdorf, Karin Richter, Günter Trobisch und Burkhard Zander Instrumente aus Ihren Werkstätten. In der Vorführung wurden diese von Diez Eichler, Michael Günther, Eva-Maria Heinz und Burkhard Zander angespielt mit Werken von C. Paumann, J.J. Froberger, F.T. Richter, Friedemann Bach, W.A. Mozart und J. Haydn, auch eine "Jazzetüde" unterstrich die Bandbreite der Clavichordliteratur.
Neben den eher "üblichen" Clavichordtypen (z.B. nach C.G. Hubert) fielen dem Verfasser ein paar Instrumente besonders ins Auge und Ohr, darunter vielleicht an erster Stelle ein von Karin Richter gebautes Clavichord mit einer "Wiener" oder "habsburgischen" kurzen gebrochenen Oktave, die an Wiener Instrumenten der Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisbar ist, die aber auch schon im siebzehnten Jahrhundert ausgeprägt gewesen sein muß (der "Rossignolo" von A. Poglietti ist nur auf einer solchen Tastatur darstellbar). Bei dieser Tastenanordnung befindet sich neben der "normalen" gebrochenen kurzen Oktav (durch die Zweiteilung der Taste für das C kann auch das HH gespielt werden) noch "eine" dreifach unterteilte Taste, die die Töne BB,AA und GG bedient, sowie eine Taste für das FF, welche wie die höchste Taste wie eine Klaviaturbacke aussieht. Das schön klingende Instrument trägt vielleicht zur Auseinandersetzung mit dieser Wiener Kuriosität bei.
Weiterhin fiel ein kleines Clavichord Martin Kathers auf, ein Nachbau eines Vorbilds um 1600, zweifach gebunden und mitteltönig, welches als Besonderheit mit Leder bezogene Tangentenköpfe hat. Der besonders delikate Klang rechtfertigt die auf dem Deckel des Originals aufgeschriebene Bezeichnung "Spinetto Celeste" durchaus. Besonders im Baß meint man, eine geschmackvoll gespielte Renaissancelaute zu hören.
Vom anderen Ende der dynamischen Skala sei noch der C.G. Friederici-Nachbau von Dietrich Hein erwähnt, der das lauteste Clavichord ist, welches der Verfasser je kennengelernt hat - es kann mit frühen Hammerflügeln wohl ohne Weiteres mithalten; wie man auch am Abend im grandiosen Konzert von Menno van Delft in seinem Mozartprogramm erleben konnte, ist es durch Meisterhand gespielt aber auch zu zartem und singendem Klang in der Lage.
Van Delft war kurzfristig für den erkrankten Siegbert Rampe eingesprungen und präsentierte sich in seiner Moderation wie in seinem Spiel gewohnt geistreich-witzig, vielfarbig und einfallsreich. Die (von manchen sicher geradezu erwarteten) Bravos und der anhaltende Applaus waren mehr als gerechtfertigt!
Zwischen der Vorführung und dem Konzert gab uns Michael Günther mit seinem Vortrag einen Einblick in auch für mich als Frankfurter bislang unbekannte Instrumentenbautraditionen in dieser Stadt, die vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts an Beispielen gezeigt wurden. Dabei hatte Günther nicht nur zahlreiche Abbildungen mitgebracht, sondern er spielte auch auf verschiedenen Clavichorden aus der Ausstellung. Besonders faszinierte auch das von Jan Großbach restaurierte originale Tafelklavier von 1799 vom Frankfurter Instrumentenmacher J.B.E. Wegmann.
Trotz oder vielleicht sogar wegen der vielen Programmpunkte fanden sich viele Gelegenheiten zum privaten Austausch zwischen den Anwesenden.