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DCS Mitglieder berichten von den 26. Clavichordtagen vom 7.-9. Mai 2006 in Bochum.




Bericht über den Kurs von Menno van Delft von Dr. Richard Moroz


Der zweite Tag der diesjährigen Clavichordtagen in Bochum begann für mich äußerst aufregend.
Für die diese Aufregung sorgte der mehrstündige Unterricht bei Menno van Delft, zu dem sich mehrere Teilnehmer sowohl aktiv als auch passiv angemeldet hatten. Da ich selber nicht sicher war, ob ich zu dem Zeitpunkt aus Polen zurück wäre meldete ich mich zuerst zu den passiven Teilnehmern (und wenn es die Zeit zulässt, dann könnte ich auch Unterricht aktiv genießen). Der Besuch im Kurs von Menno van Delft war mein zweiter Clavichordunterricht, nach dem Weimarer Kontakt mit Colin Tilney.
Alle aktiven Teilnehmer waren, wie bei einem Auftritt mehr oder weniger aufgeregt. Man soll vor dem Publikum vorspielen und dazu auf einem klangvollen und besonders sensiblen Instrument von Jean Tournay, dessen Tastatur für alle Schüler unbekannt war. Daher hat es schon vor dem Unterrichtbeginn bei dem Clavichord einen kleinen Andrang gegeben, um es auszuprobieren. Aber nur wenigen gelang es.
Dann begann der Unterricht. Als Vortragsstücke dominierten Tänze neben einer Fantasie und einem Präludium, meistens von weniger gespielten Komponisten wie dem böhmischen Musiker Myslivecek oder von dem nur durch J. S. Bach berühmten Goldberg aus Polen.
Nach dem man das vorbereitete Stück gespielt hatte, kam die eigentliche Arbeit. Es stellten sich mehrere Probleme heraus, wie z. B. Ornamente wie Praller, wie man sie spielen sollte. Selbst ein als einfach erschienenes Menuett entpuppte sich als reizvolle Musik, nach dem die Phrasierung Takt für Takt ausgearbeitet wurde. Ein anderes Problem war die Lautstärke des Instruments - nicht leise und vorsichtig zu spielen sondern auch sehr mutig. Die Akkorde im fortissimo richtig aus den Tasten zu schlagen ist doch eine Kunst, die auch geübt sein will, um mehr Dynamik aus dem zarten Instrument herauszuholen. Eine weitere Kunst des Clavichordspiels besteht darin, die Hände "einfach" weg zu nehmen, die Tastatur zu verlassen.
Die hier angegangenen Probleme des Clavichordspiels erscheinen für viele grundlegend. Menno van Delft zeigte stets auf die Grundlagen, auf denen die Musik aufgebaut ist. Das erinnert mich stark an Seminare im Bereich der Kampfkunst, die ich selber ausübe - Ninjutsu und Aikido. Auch dort verweisen die Meister immer auf die Grundtechniken und zeigen, wie diese variiert werden. Weil ich sowohl die Kunst des Clavichordspiels und des Kampfes ausübe, sehe ich die übergreifende Denkweise der Kunst.
Was allerdings für mich neu war, war die ausgesprochen angenehme Atmosphäre, alle waren lernbegierig und der Lehrer freute sich sichtlich. Als ich selber zum Schluss dran war, erlebte ich den Schock der erstmal für mich sich sehr unangenehm anfühlenden Tastatur, auf der ich mich nicht zurechtfinden konnte. Und im Kopf bewunderte ich all die, die vor mir waren und sich so tapfer geschlagen hatten.