DCS Mitglieder berichten von den 26. Clavichordtagen vom 7.-9. Mai 2006 in Bochum.
Fotos von Dorothea Demel
Bericht von Herbert Losekamm
Clavichordtage im Ruhrgebiet, man denkt zuerst an Kohle, Stahl, Industrielandschaft.
Nein, wir befanden uns in einem schönen, kulturell höchst interessanten Land.
Bei sonnigem, südlich anmutendem Wetter besuchten wir das in der malerischen Landschaft des Ruhrtales gelegene Wasserschloss Kemnade aus dem 17. Jahrhundert. Dort wurde in kleiner Gesellschaft das außergewöhnliche Clavichord von Barthold Fritz 1751 besichtigt und vermessen. Herr Lothar Bemmann war mit reger Unterstützung der Anwesenden mit großer Begeisterung und Genauigkeit bei der Sache.
Geführt von dem freundlichen und sympatischen Leiter besichtigen wir noch das reichhaltige Instrumentenmuseum. Nach einer Schlosshof-Brotzeit ging es in die Thürmer Säle in Bochum. Dort muss ich zuerst die in entsprechendem Rahmen ausgestellten meisterhaft gebauten Clavichorde erwähnen.
Im ersten Konzert bestach Joshi Kazama durch äußerst konzentriertes und brilliantes Spiel in östlich gefasster Haltung. Das vierhändige Zusammenspiel nach der Pause mit dem ehemaligen Schüler und seinem Lehrer Menno van Delft war ein Genuss für die Ohren und Augen.
Bei dem zweiten Konzert, in dem Menno von Delft die außergewöhnlich anspruchsvollen, schweren Stücke von Wilhelm Friedemann Bach spielte, kam es zu sonst nicht üblichen Begeisterungsausbrüchen. Nach der Pause die vierhändige Sonate F-Dur KV 497, herrlich und virtuos gespielt.
Der Kurs mit Menno van Delft war für mich ein großes beeindruckendes Erlebnis.
Das letzte Konzert mit Konrad Burr und dem Sprecher Thomas Gramen war geprägt von meditativer Besinnlichkeit und bewegtem, heiter-anrührendem Schmunzeln.
Die Musikstücke aus früher italienischer Epoche, welche ich zum größten Teil nicht kannte, erfreuten durch klaren Ausdruck und innig warmer Gestaltung.
Die Texte von Petrarca und Boccacio, sehr farbig vorgetragen von Thomas Gramen, passten sehr gut zu der wunderbaren Musik.
Wie immer lief auch bei diesem Clavichordtagen alles wie am Schnürchen. Ein großes Lob insbesondere für Frau Demel, die alles mit den leitenden Persönlichkeiten so gut vorbereitet hatte. Herr Bemmann hielt mit großem Bindebogen wieder alles zu unserer großen Zufriedenheit voll im Griff.
Auch möchte ich noch den Protokollführer, Herrn Krüger erwähnen, der bescheiden im Hintergrund, aber mit kritischer Konzentration seine gewissenhafte Arbeit tat.
Was ist da noch zu sagen: Clavichordtage voller Harmonie gingen zu Ende.
Wir trennten uns glücklich von unserer Clavichordfamilie, mit der Freude auf ein hoffentlich zahlreiches Wiedersehen in Basel.