DCS Mitglieder berichten von den 25. Clavichordtagen vom 7. - 9. Oktober 2005 in Eichstätt.
Fotos von Dorothea Demel
Freitag, 7. Oktober 2005, Sonntag 9. Oktober 2005, Konzerte im Bischöflichen Seminar Eichstätt
Bericht von Eberhard Brünger
Johann Sebastian Bach, Die Kunst der Fuge, Péter Ella, Clavichord
Die Kunst der Fuge auf dem Clavichord? Natürlich! Die instrumentale Bestimmung des Werkes wurde ja im Grunde erst 1927 mit der Straubeschen Aufführung der Graeserschen Fassung zum Problem, und 1933 befand Anton Webern sogar, das Werk sei "die abstrakteste Musik, die wir kennen". Eine Reihe weiterer, nun tatsächlich offener Fragen, wie die der Reihenfolge der Contrapuncte und Canons (unterschiedlich in Autograph und Erstdruck) und die des Unvollendetseins (kein Geringerer als Gustav Leonhardt etwa nimmt mit guten Gründen an, dass die letzte Fuge a 3 - oder a 4? - Soggetti nicht zum Werk gehört) haben dazu beigetragen, dass die Mystifizierung dieses Zyklus' trotz einer Flut seriöser wissenschaftlicher Abhandlungen weiter grassiert.
Péter Ella, der die Kunst der Fuge in zwei Konzerten vorstellte, wollte eigentlich mit offenen Karten spielen, als er den Messverlauf eines Requiems als Ariadnefaden durch das Werk anbot. Eigentlich! Denn im ersten Konzert erfuhr man gar nichts über Ellas Erfindung eines Briefes von Johann Christian Bach an Mozart, vor dem zweiten Konzert nur einige Zitate daraus, die den intendierten Sachverhalt aber nicht klären konnten. Das war schade. Die Requiem-Idee ist, auch wenn historisch nicht belegbar, als persönliches Programm des Interpreten nachvollziehbar und legitim, zumal das Rekurrieren auf Frescobaldi ja viel für sich hat; schließlich hatte Bach die "Fiori musicali" im Haus.
Genug der Theorie. Das Werk endlich einmal wieder in originaler Gestalt angeboten zu haben, ist der DCS sehr zu danken, und einen Nachteil gegenüber der Cembalofassung vermag man als Clavichordliebhaber sowieso nicht zu empfinden. Das Kontemplative kommt so noch eher zur Geltung. Das mag auch der Interpret gemeint haben, der gerade die vermeintlich virtuosen Stücke wie etwa den Contrapunctus IX oder den Oktavkanon betont ruhig nahm.
Blieb im ersten Konzert, wodurch auch immer bedingt, interpretatorisch einiges unbefriedigend, so entschädigte das zweite umso mehr. Der Eindruck einer gewaltigen musikalischen Leistung, einer Bündelung von Interpretations- und Konzentrationskräften, teilte sich den Zuhörern bis zur letzten einsam verklingenden Achtelnote mit.
Dankbar vernahm man, nun sichtlich gelöster, als Zugabe die vierstimmige Fassung der beiden dreistimmigen Spiegelfugen, mit Lorenz Gadient am zweiten Clavichord.
Péter Ella spielte beide Konzerte auf einem Clavichord von Martin Michael Pühringer.
Péter Ella spielt J.S. Bach
Péter Ella
Péter Ella und Lorenz Gadient spielen Spiegelfugen