Samstag, 16. April 2005 Führung durch die Instrumentensammlung von Michael Günther
Berichte von Klaus Müller
Am Anfang standen einige Bemerkungen über die Art der ersten Erwerbungen und die Probleme der Restaurierungen. Er begann mit seinem ältesten und vielleicht auch bedeutendsten Instrument, einem Cembalo, welches aufgrund seiner Profilkanten dem Italiener Giacomo Ridolfi, ca. 1665 zugeschrieben werden kann. Ein echtes Inner-Outer-Instrument, welches Herr Günther mit einem Stück des Franken Ferdinand Tobias Richter klanglich vorstellte. Auch bei den folgenden Instrumenten stellte Herr Günther durch geschickte Auswahl der Klangbeispiele den Bezug zur Region auf eine sehr beeindruckende Weise her.
Schwerpunkte seiner Sammlung sind die frühen Tafelklaviere. Als Beispiel mit besonderer Hervorhebung als "Zauberinstrument" führte er ein unsigniertes Tafelklavier in Harfenform (vermutlich von M. Schmahl, Ulm) vor. Es hatte fünf Züge, die man teilweise miteinandeer kombinieren kann sowie eine Transponiereinrichtung. Dieses, wie auch das folgende Luxus-Tafelklavier von G.A. Boos, Mainz ca. 1767 führte er mit Haydn-Stücken vor. Beim fünf-oktavigen Tafelklavier von Johann Gottfried Mahr, Wiesbaden zeigte er uns die hochwertige Ausführung der Hammer-Dämpfer-Mechanik des Instruments. Nach einem weiteren sehr tonstarken frühen Tafelklavier demonstrierte er ein prächtig restauriertes Tafelklavier von Joh. Pfeiffer, Paris. Den Abschluss bildete ein Hammerflügel von Ferdinand Hofmann, Wien, ca. 1790, F1 bis g3 mit Moderator. Auch dieses wohl restaurierte Instrument führte Herr Günther in sehr subtiler Weise vor. Dabei wurde deutlich, dass engagierte Spieler an einem solchen Instrument eine Verzauberung bewirken können, die im modernen Konzertbetrieb kaum möglich ist. Mit einem Hinweis auf ein frühes Tafelklavier von Friedrich Beck, London schloss die Führung, die bei allen Teilnehmern begeisterte Zustimmung fand.
Gesprächsrunde: Wege zum Clavichord
Herr Bemmann betonte einleitend, dass man im Gegensatz zu früheren Gesprächen mit Instrumentenbauern diesmal Spieler vorstellen wolle, möglichst mit persönlichen Bekenntnissen. Über die Vitae der drei Spieler kann man die Grundzüge im Beiblatt der Konzertprogramme nachlesen. Dies sei hier weggelassen. Eberhard Brünger: Er begann mit einem Bericht über seine Instrumente und deren Erwerb. Dabei hob er die Erfahrungen mit seinem Tafelklavier von Friedrich Beck hervor. Er fand die Zeit zwischen Klassik und Barock besonders spannend. Als Pädagoge war es ihm immer wichtig, Erstaunen zu erzeugen, Freude hervorzurufen und Verbindungen aufleuchten zu lassen. Kombinationen von Lesungen abwechselnd mit Zwischenmusiken sind ihm wichtig. Michael Günther: Bei ähnlicher Grundeinstellung wirkte in ihm ein Herderscher Funke, Begeisterung wecken aber behutsam Vergröberungen meiden. Er konnte mit launigen spontanen Bemerkungen allgemeine Erheiterungen hervorrufen. Auch er betonte, wie viel er seinen Lehrern, aber auch Zufällen verdanke. Michael Zapf: Er hob den bewussten Bruch in seiner Karriere hervor: "Vom Banker zum Tastensüchtigen". Er sei erst spät zum Clavichord gekommen und er bekannte, dass er, wenn er auf eine einsame Insel verbannt würde und nur ein Instrument mitnehmen dürfte, sein kleines gebundendes Clavichord mit gebrochener Bassoktave mitnehmen würde.
Soweit die Statements. Ein paar Fragen und gegenseitige Ergänzungen rundeten die Gespräche ab. Ein informativer Gedankenaustausch. Bemerkenswert - so verschieden die Wege auch waren - bei keinem der Spieler war der Weg zielgerichtet zum Clavichord. Zufallsbegegnungen führten dahin, aber nie zur Ausschließlichkeit des Clavichords; zumeist aber zu einem wesentlichen Fundament.
Michael Günther präsentiert seine Sammlung: Tafelklavier, J. A. (oder J. G.) Mahr zugeschrieben, Wiesbaden um 1770
Michael Günther präsentiert seine Sammlung: Cembalo, Giacomo Ridolfi zugeschrieben, um 1665, Kastenbemalung Mitte 18. Jh.
Gesprächsrunde Eberhard Brünger, Michael Zapf und Michael Günther
Demonstration der ausgestellten Clavichorde
Die äußeren Umstände waren teilweise recht störend. Der Wind übertönte manchmal im Gebälk die zartbesaiteten Instrumente. Geradezu vernichtend war das lang anhaltende Glockengeläute. Ich fand auch, dass die Schönheit der Instrumente in dem dunklen Raum kaum zur Geltung kam. Soviel zur Kritik.
Frau Demel strukturierte die Demonstration in drei Abschnitte a) ungebundene (große) Instrumente, b) gebundene (meist kleinere) Instrumente und c) Instrumente der Frühzeit.
Es gab - wie immer strenge Nachbauten, veränderte Nachbauten und frei gestaltete Instrumente. Aus jedem Bereich kamen gelungene und durchweg hervorragend gearbeitete Instrumente, deren Klangeigenschaften beeindruckten.
Hervorzuheben ist ein Originalinstrument von J.Chr.G. Schiedmayer, 1793 aus einer Privatsammlung. Ein fünf-oktaviges Instrument, welches im Diskant sogar dreichörig ist. Leider konnte man keine Klangeindruck gewinnen, da es zur Zeit unspielbar ist. Der Friederici Nachbau von Jean Tournay, ein ausnehmend klangschönes und angenehm zu spielendes Instrument, wurde bei der Demonstration nicht vorgeführt, weil es schon am Vorabend im Konzert zu hören gewesen war. Jean Tornay wurde von seinen Kollegen und Schülern im Rahmen dieser Demonstration zu seinem "runden" Geburtstag gratuliert.
Benedikt Claas in der Clavichordausstellung
Michael Zapf am Clavichord
In der Clavichordausstellung
Vortrag Obiectum Pinnarum Tactilium von Michael Günther
Offen gestanden, es fiel mir schwer eine Zusammenfassung zu schreiben. Die Fülle der Einzelaussagen, Forschungsergebnisse und Argumentationen war so groß, dass es mir als Zuhörer nur mit Mühe gelang, dem roten Faden zu folgen. Dies soll keine Kritik an Herrn Günther bedeuten. Die Kompliziertheit der Materie bewirkt diese Schwierigkeiten.
Ich denke, ein Hauptanliegen des Vortragenden war eine Argumentation für seine Erkenntnis, dass sich der Tafelklavierbau in dieser fränkischen Region entwickelt und zwar losgelöst von der zeitlich parallelen Entwicklung des Hammerflügelbaus. Herr Günther hob in diesem Prozess den aus Italien stammenden Würzburger Hofkapellmeister und Komponisten Giovanni Platti hervor, durch den die Kenntnis des neuen "fortepiano", das dieser noch in Siena kennengelernt hatte, durch seine Übersiedlung nach Würzburg im Jahr 1722 dort vorhanden war. Georg Ludwig Krämer erfand in Nürnberg 1761 eines der ersten Tafelklaviere. Er reiste später mit mehreren Instrumenten in Europa umher und scheint auch den englischen Tafelklavierbau angestoßen zu haben, denn die Mechanik der Tafelklaviere Johann Christoph Zumpes in London, der aus Fürth stammte, wies viele Parallelen zu Krämers Tafelklavieren auf. In Michael Günthers Formulierung lautete die Schlussfolgerung: Die Englische Stoßmechanik müsste eigentlich Nürnberger Mechanik heißen. Am Schluss fasste er zusammen, dass in der Zeit zwischen 1760 und 1790 das Instrument der Empfindsamkeit zumindest in dieser Region das Tafelklavier gewesen sei. Für die meisten aufmerksamen Zuhörer war neben diesen Zusammenfassungen die Fülle der Einzelinformationen aus so kompetenter Hand faszinierend.