home dcs museum1 cd konzert links


2. Konzert, Eberhard Brünger, Samstag, der 16.4. 2005, 18.00
Bericht von Eva-Maria Heinz
Ein ereignisreicher Tag geht seinem Höhepunkt entgegen.
Eberhard Brünger, den wir heute Morgen bereits im Gespräch kennen gelernt haben, wird das heutige Konzert bestreiten. Über den Werdegang als Musiker sprach er von einer "ganz normalen" Ausbildung ohne besondere Vorkommnisse. Die einführenden Worte "sprudelten " regelrecht hervor, um von seinem immensen, breit gefächerten Wissen preiszugeben und den Zuhörer an seiner eigenen Begeisterung teilhaben zu lassen.
Herr Brünger spielte an diesem Abend auf seinem eigenen bundfreien Clavichord von Franz Lengemann aus dem Jahr 1980, das mit dem Bild der Landschaft des Teufelsmoors bereits einen optischen Kunstgenuss vermittelte. Der erste Programmpunkt war die Suite Nr. 4 von 1746 des Bachschüler J.L. Krebs.
Im langsamen Satz ließ der "ganz normale" Chorleiter das Clavichord wunderschön singen.
Ein Rondo C-Dur aus der 2. Sammlung Für Kenner und Liebhaber von Carl Philipp Emanuel Bach erklang als 2. Stück des Abends. Dieses "verrückte" Stück zeigt, wie weit weg sich der Sohn von dem großen Vater entfernte. Brünger spielte virtuos bis an die Grenzen der Möglichkeiten des Clavichords. Hier kam auch der Literaturkenner mit einem Zitat von Charles Burney zu Wort.
Nun kam der jüngere Bruder Johann Christoph Friedrich Bach zu Gehör mit Variationen über das bekannte französische Kinderlied Ah, vous dirai-je, Maman, das auch Mozart als Thema verarbeitet hat. Es erklangen nicht alle Variationen, aber interessant war, dass Eberhard Brünger die letzten 4 Variationen erst auf dem Clavichord und dann auf dem Beck-Tafelklavier aus der Sammlung des Hauses spielte.
Vor der Pause war ein Allegro maestoso von Johann Abraham Peter Schulz auf dem Tafelklavier zu hören, der recht wenig Klaviermusik komponiert hat, aber uns als Verfasser des wunderschönen Abendliedes "Der Mond ist aufgegangen" wohl bekannt ist. Nach dieser aufmunternden, schwungvollen Interpretation ging es in die Pause.
Neben einem Glas Sekt oder Wein aus der Region fand ein reger Austausch der Konzertbesucher inmitten der beeindruckenden Instrumente in den Räumlichkeiten des Hauses statt.
Auf dem Clavichord ging das Konzert weiter mit einem empfindsamen fast meditativen Andante aus dem Klaviertrio Hob XV/22 G-Dur von Joseph Haydn.
Wieder auf dem Tafelklavier kam Wolfgang Amadeus Mozart in einem sprühenden Feuerwerk zum klingen. 6 Teutsche, KV 509, die Mozart auf einer Reise mit Constanze nach Prag 1787 für einen Faschingsball schrieb, amüsierten die Zuhörer regelrecht in ihrer Banalität.
Den Abschluss des Abends gehörte dem Böhmen Jan Ladislav Dussek mit dem Rondo Les Adieux. Mit diesem Werk des reisenden Virtuosen auf dem Klavier und der Glasharmonika fand der musikalische Abend sein Ende.

ebruenger
Eberhard Brünger am Clavichord
ebruenger
Eberhard Brünger am Tafelklavier
Programm: 2. Konzert: Samstag, den 16. April 2005, 18:00
Eberhard Brünger, Clavichord (Franz Lengemann) und Tafelklavier (Friedrich Beck. London um 1770)
Johann Ludwig Krebs
(1713-1780)
Suite Nr. 4 C-dur, aus dem Vierten Teil der Clavier-Übung 1746,
Allemande - Courante - Sarabande - Bourree I und II - Polonoise - Capriccio
Clavichord
Carl Philipp Emanuel Bach
(1714-1788)
Rondo C-dur aus der Zweiten Sammlung Für Kenner und Liebhaber, Wq 56 (1780)
Clavichord
Johann Christoph Friedrich Bach
(1732-1795)
Variationen über das französische Kinderlied Ah, vous dirai-je, Maman
Clavichord, Tafelklavier
Johann Abraham Peter Schulz
(1747-1800)
aus Six diverses Pièces pour le Clavecin ou le Piano Forte, 1778 Allegro maestoso E-dur
Tafelklavier
Pause
Joseph Haydn
(1732 - 1809)
aus dem Klaviertrio Hob. XV/22 G-dur, 1794, Erstfassung des zweiten Satzes -Andante -
Clavichord
Wolfgang Amadeus Mozart
(1756-1791)
6 Teutsche KV 509, Prag 1787 (Klavierbearbeitung der Orchesterfassung von Mozarts Hand)
Tafelklavier
Jan Ladislav Dussek
(1760-1812)
Rondo Les Adieux
Tafelklavier


Vom Ohrenschmaus zum Gaumenschmaus:
Nach dem Konzert wechselten die Teilnehmer in den gegenüberliegenden Weinkeller.
Ein Drei-Gänge-Menu mit den dazu passenden Weinen eines ortsansässigen Winzers regte zum munteren Gedankenaustausch an. Und da ("frühe") Tafelklaviere leicht zu transportieren sind, wurde ad hoc ein Clavichor gegründet. Matthias Claudius' "Mainweinlied" und Friedrich von Matthisons "Trinklied" trafen das Thema des Abends, waren leider sehr unbekannt und unbedingt noch verschönerungsfähig. Das bekannte deutsche Volkslied nach Worten von Johann Wolfgang von Goethe "Der König von Thule" war etwas traurig zu diesem Anlass, konnte aber sängerisch bestehen.
Ein "ganz normaler" Tag der 24. Clavichordtage ging zu Ende.

clavichor
Die Leitung des "Clavichors"
wein
Gelöste Stimmung beim Frankenwein