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| Am 12. März 2004 begannen die 22. Clavichordtage auf dem Bahnhof von Frankfurt/Oder. Zu früher Morgenstunde versammelte sich sich dort ein kleiner Trupp unentwegter Clavichordfreunde, um sich unter der kundigen Führung von Richard Moroz auf den Weg ins Nachbarland Polen zu machen. Ziel war das Museum für Musikinstrumente in Posen, das heute als Teil des Nationalmuseums mit über 2500 Ojekten zu den bedeutendsten Sammlungen in Europa zählt. Wir wurden dort nach zweistündiger Bahnreise und einer gemütlichen Straßenbahnfahrt ins Zentrum von Posen sehr herzlich von Alicja Knast mit Kaffee, Tee und Keksen empfangen. Der Rundgang führte uns zunächst zu den Rekonstruktionen altgriechischer Musikinstrumente, darunter auch eine hydraulische Orgel. In der Sammlung der Blasinstrumente erregte ein keltisches Horn (carnyx) aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert besondere Aufmerksamkeit, das in Polen gefunden und uns auch von einem Mitarbeiter des Museums vorgeblasen wurde. Der in der gleichen Vitrine gezeigte altrömische Lituus führte zu der Diskussion darüber, welches Instrument wohl im 18. Jhd. (z.B. in der Bachkantate BWV 118) unter dieser Bezeichnung verstanden wurde. Unter den Idiophonen war eine österreichische Glasharmonika von 1779, das von Johann David Buschmann gebaute Terpodion und ein Harmonium mit kombiniertem Celesta-Zug von A.Mustel von speziellem Interesse. | ![]() Modell Hydraulis |
![]() Resonanzboden Clavichord anonym ![]() Clavichord Maywaldt, 1728 ![]() Resonanzboden Clavichord Hass ![]() Tastatur Clavichord Hass |
Von den Clavichorden, über die Alicja Knast am folgenden Tag berichten wollte, sahen wir leider nur zwei (anonym 2.Hälfte 18.Jhd.; Johann Christoph Maijwaldt, Weigensthal 1728). Vom Hamburger Clavichord von Johann Adolph Hass (1754), das sich derzeit in Restauration befindet, waren dagegen nur die Tastenhebel mit Tangenten und ein Teil des Resonanzbodens unter schwerem Panzerglas zu besichtigen, was vor allem für die Fotografen unter uns sehr hinderlich war. Das zweimanualige, sehr dekorative Cembalo aus dem 18. Jhd. erwies sich als ein merkwürdiger Zwitter, da es zu einem Hammerklavier ohne Dämpfung umgebaut worden war. Unter den zahlreichen Fortepianos befand sich auch ein von F.Chopin gespieltes Instrument, das den Anlass für einen eigens gestaltenen Chopin-Raum bildete. Von den übrigen Tasteninstrumenten sind noch besonders ein polnisches Orgelpositiv aus dem 17. Jhd. sowie ein von Pleyel konstruierter Doppelflügel zu erwähnen. Der Kurator des Museums, Janusz Jaskulski, führte uns schließlich durch die umfangreichen Sammlungen der europäischen und außereuropäischen Volksmusikinstrumente. Hier fand unsere Besichtigung ihren krönenden Abschluss mit einer musikalischen Darbietung auf dem Dudelsack, die uns von dem ehemaligen Leiter der Posener Dudelsack-Kapelle präsentiert wurde. Anschließend stärkten wir uns mit polnischer Saurer Suppe und Piroggen, ehe wir mit knapper Mühe den Zug nach Frankfurt/Oder erreichten. |
| Am Abend desselben Tages fand im stuckverzierten Kurfürstensaal des neueröffneten Viadrina-Museums in Frankfurt, von wo der Blick weit über die Oder geht, die offizielle Eröffnung der Clavichordtage mit einem Konzert von Eckhart Kuper (Hannover) statt. Die Begrüßungsansprachen hielten Prof.Dr. Brigitte Rieger-Jähner, Leiterin der Frankfurter Museen, und Michael Zapf, der scheidende Präsident der Deutschen Clavichord Societät. In der Pause gab der Musikwissenschaftler Dr. Wolfgang Jost einen Überblick über die Tradition der Pflege der Musik Carl Philipp Emanuels Bachs in Frankfurt, die dieser selbst während seiner Frankfurter Studienzeit mit seinen musikalischen Collegien begründet hatte. Für das Konzert erwies sich der Kurfürstensaal als akustisch vorzüglich geeignet, wobei der Ton des Clavichords noch durch die große Kaminöffnung hinter dem Instrument verstärkt zu werden schien. Eckhart Kuper spielte mit kräftigem Ton auf einem Clavichord von Dietrich Hein (nach Friederici) ein sehr fein ausgewähltes Programm, das vor allem Carl Philipp Emanuel, seinem Vater Johann Sebastian und dessen Schüler Johann Gottfried Müthel in Riga gewidmet war, wobei er besonders darauf hinwies, dass dieser noch vor Carl Philipp Emanuel den empfindsamen Stil voll entwickelt habe. Dazu spielte er zum Abschluss Müthels Arioso mit 12 Variationen in c-moll, ein "traumhaftes Stück" (E.Kuper), das in einer freien Phantasie endet und in dem die differenzierten Nuancen des Clavichords voll zur Geltung kamen. Als Zugabe wiederholte er dann zum Vergleich einen langsamen Sonatensatz von Carl Philipp Emanuel, diesmal mit freien Umspielungen, wie dieser sie für die Neuauflage seiner Sonaten vorgesehen hatte. Insgesamt ein wunderbarer Abend, der den Zuhörern das Thema der Clavichordtage, die Verbindung zwischen C.Ph.E.Bach und der osteuropäischen Tastenmusik, auf anregende Weise nahebrachte. | |
![]() Eckhart Kuper am Clavichord von Dietrich Hein im Museum Viadrina |